Der Vierwaldstättersee bildet mit seinen weit verzweigten Armen eine einzigartige Kulisse. Zwischen sanften Uferlandschaften mit Obstgärten und Weinbergen sowie einem fjordähnlichen Seearm, der tief in die Bergwelt einschneidet, zeigt sich hier die landschaftliche Vielfalt der Zentralschweiz auf kleinstem Raum. Rund um den See treffen Geschichte und Natur auf einzigartige Weise zusammen. So soll auf der Rütliwiese der Schwur der Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden erfolgt sein, welche sich zum Bund der Schweizer Eidgenossen zusammenschlossen. Im näheren Umkreis erinnert die Tellskapelle an Wilhelm Tell, den wohl bekanntesten Schweizer Volkshelden.
Alle zwei Minuten entstehen heute mehr Fotos, als die Menschheit im gesamten 19. Jahrhundert gemacht hat! Eine beeindruckende Zahl und Sinnbild für den Wandel unserer Zeit. Fast 200 Jahre nach der Erfindung der Fotografie (1839) produzieren, teilen und betrachten wir täglich Millionen Bilder. Speziell auf Reisen wollen wir besondere Momente für uns selbst und für andere festhalten.
Doch oft steht die Selbstinszenierung im Mittelpunkt. Dank Smartphones, Drohnen und KI-gestützter Bildbearbeitung entstehen Aufnahmen, die eher an kleine Kunstwerke oder perfekt inszenierte Social-Media-Posts erinnern.
Der größte Teil der Reisefotos wird mittlerweile mit dem Smartphone geknipst. Es ist schnell zur Hand, einfach zu bedienen und ermöglicht sofortiges Bearbeiten und Teilen. Kein Warten mehr auf die Entwicklung im Fotolabor, keine Sorge mehr um die verbleibenden Aufnahmen auf dem Film.
Die „Jagd“ nach dem perfekten Bild
Besonders auf sozialen Netzwerken hat sich eine eigene Ästhetik der Reisefotografie etabliert. Allein auf Instagram werden täglich über 1,2 Milliarden Fotos hochgeladen. Orte wie die norwegische Trolltunga sind mittlerweile zu Fotospots mit bis zu 90 Minuten Wartezeit für das perfekte Bild geworden. Was einst Geheimtipp mit unter 800 Besucher*innen pro Jahr (2010) war, ist 2023 mit rund 79.000 Besucher*innen zu einem touristischen Hotspot avanciert.
Der Wunsch nach spektakulären Bildern führt dabei nicht selten zu riskanten Situationen: Menschen unterschätzen anspruchsvolle Wanderungen, missachten Sicherheitszonen oder bringen sich für das ultimative Foto in Lebensgefahr. Von Selfies an Klippen bis zu waghalsigen Stunts auf Hochhäusern – alles für den einen Moment im digitalen Rampenlicht.
Zwischen Respekt und Klischee
Wenn nicht die Natur, sondern Menschen die Hauptmotive eines Fotos sind, sollte man sich für das Fotografieren Zeit nehmen. Bilder können leicht stereotype Vorstellungen verstärken, etwa dann, wenn Menschen ungefragt fotografiert und zur bloßen „Kulisse“ degradiert werden. Häufig werden Kinder oder bedürftige Menschen abgebildet und selbst religiöse Orte dienen nicht selten als Hintergrund für inszenierte, provokante Selfies.
10 Empfehlungen für respektvolles Fotografieren auf Reisen
Damit das Fotografieren auf Reisen ein respektvoller kultureller Austausch bleibt, helfen folgende Grundsätze:
1. Vorbereitung Informiere dich vorab über kulturelle Gepflogenheiten, religiöse Sensibilitäten und mögliche Fotografierverbote im Reiseland
2. Respektvoller Kontakt Ein Lächeln, Augenkontakt oder ein kurzes Gespräch vor dem Fotografieren schafft Vertrauen und signalisiert Wertschätzung.
3. Wertschätzender Dialog Nimm dir Zeit, Menschen kennenzulernen – auch ohne Kamera. Nicht jedes Erlebnis muss festgehalten werden. Lebe den Augenblick!
4. Kulturelle Sensibilität An heiligen Orten, religiösen Stätten oder während Zeremonien sollte die Kamera dezent eingesetzt oder besser ganz im Rucksack gelassen werden.
5. Vorsicht bei Kindern Fotografiere Kinder nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Eltern und niemals unbekleidet.
6. Bewusstes Fotografieren Frage dich vor jedem Bild: Würde ich selbst in dieser Situation fotografiert werden wollen?
7. Keine Bezahlung für Kinderfotos Geld für Kinderfotos zu geben, kann falsche Anreize schaffen und den Schulbesuch gefährden.
8. Respekt vor Natur und Tieren Halte Abstand und vermeide Situationen, die Tiere stressen.
9. Keine Fotos in Konfliktzonen Sicherheits- und Privatsphäre geht vor Sensationslust.
10. Verantwortung nach der Reise Veröffentliche Bilder nur mit Einwilligung der abgebildeten Personen und achte auf einen respektvollen, nicht zur Schau stellenden Kontext.
Das Recht am eigenen Bild
Grundsätzlich gilt: Wer auf einem Foto erkennbar ist, muss der Veröffentlichung zustimmen. In vielen Ländern gelten zudem eigene Regelungen zum Datenschutz und zur Bildveröffentlichung.
Ausnahmen bestehen, wenn die abgebildete Person nur „Beiwerk“ ist, also zum Beispiel zufällig an einem Denkmal vorbeiläuft. Auch auf öffentlichen Veranstaltungen wie Karnevalsumzügen oder während eines Stadtlaufs müssen sich Besucher*innen darauf einstellen, fotografiert zu werden.
Bewusster reisen und fotografieren
Reisen bedeutet heute oft möglichst viel in kurzer Zeit erleben und möglichst viele Bilder machen. Doch was bleibt davon wirklich hängen? Ich selbst habe vor Jahren meine eigene Art zu reisen hinterfragt, als ich auf meinen entwickelten Filmrollen Fotos entdeckte, bei denen ich mich kaum noch erinnern konnte, wo sie entstanden sind. Heute reise ich nach dem Motto: bewusster – langsamer – länger – näher.
Fazit
Die Kamera, ob Smartphone oder Profiobjektiv, ist ein mächtiges Werkzeug. Sie kann verbinden, dokumentieren und inspirieren. Gleichzeitig trägt sie Verantwortung. Moderne Reisefotografie ist mehr als nur das perfekte Bild: Sie ist eine Einladung, bewusster hinzuschauen, respektvoll zu handeln und echte Begegnungen zu suchen, nicht nur für die Kamera, sondern fürs Leben.
Die besten Reisefotos erzählen Geschichten, keine Klischees. Sie zeigen Menschen, Orte und Momente in ihrer Vielfalt und nicht als Requisiten für unser digitales Selbstbild.
ENGLISH
Travel Photography: Capturing Stories, Not Just Scenes
Nowadays, more photos are taken every two minutes than humanity took in the entire 19th century! This impressive number is a symbol of how much our world has changed. Nearly 200 years after the invention of photography (1839), we produce, share, and view millions of images every single day. Especially when traveling, we want to capture special moments for ourselves and to share with others.
Today, however, the focus often lies on self-presentation. Thanks to smartphones, drones, and AI-powered editing tools, we create images that are more like small works of art or perfectly staged social media posts.
The majority of travel pictures are taken with smartphones. They’re easy to carry, simple to use, and allow immediate editing and sharing. No more waiting for film to be developed in a lab, and no more worrying about how many shots are left on the roll.
The “Hunt” for the Perfect Shot
A unique aesthetic of travel photography has developed, especially on social media. Alone on Instagram, over 1.2 billion photos are uploaded every day. Locations like Norway’s Trolltunga have become iconic photo spots, with wait times of up to 90 minutes just to snap the perfect picture. What was once a hidden gem with fewer than 800 visitors per year (in 2010), turned into a tourist hotspot with around 79,000 visitors by 2023.
The eagerness to spectacular images often leads to risky behavior: people underestimate difficult hikes, ignore safety zones, or put themselves in life-threatening situations just to capture the ultimate shot. From cliffside selfies to daring rooftop stunts — all for that one moment in the digital spotlight.
Between Respect and Stereotypes
If the main subjects of a photo are individuals instead of nature, you should take your time when taking the picture. Images can unintentionally reinforce stereotypes, particularly when individuals are photographed without consent and reduced to mere “background scenery.” Children or people in poverty are often portrayed, and even sacred sites frequently serve as the backdrop for provocative selfies.
10 Tips for a Respectful Travel Photography
To ensure that travel photography remains a form of respectful cultural exchange, consider the following guidelines:
1. Preparation Find out in advance about cultural customs, religious sensitivities, and possible photography restrictions in the destination.
2. Respectful Interaction A smile, eye contact, or a short conversation before taking a photo builds trust and shows appreciation.
3. Meaningful Dialogue Take time to get to know people, even without your camera. Not every moment needs to be captured. Live in the moment!
4. Cultural Sensitivity At sacred sites, religious places, or during ceremonies, keep your camera discreet or leave it packed away.
5. Caution with Children Only photograph children with explicit permission from parents and never if they are undressed.
6. Conscious Photography Ask yourself: Would I want to be photographed in this situation?
7. No Payment for Child Photos Paying for pictures of children can create false incentives and interfere with their education.
8. Respect Nature and Wildlife Keep your distance and avoid causing stress to animals.
9. No Photos in Conflict Zones Safety and privacy should always take precedence over sensationalism.
10. Responsibility After the Trip Only publish images with the permission of the people who are pictured and ensure they’re shared respectfully — not exploitatively.
The Right to One’s Own Image
As a general rule: anyone clearly identifiable in a photo must give their permission before it is published. Many countries also have their own data protection and image rights laws. There are exceptions, for example, if someone is only a minor part of the scene (like walking past a monument), or at public events such as parades or city marathons, where visitors should expect to be photographed.
Travel and Photograph with Intention
Travel today often means trying to experience as much as possible in a short amount of time and taking as many pictures as we can. But how much of it truly stays with us? I began questioning my own travel habits years ago when I looked at some developed film rolls and realized I could hardly remember where certain photos were taken. Now, I travel by the motto: more consciously – more slowly – for longer – and more closely.
Conclusion
Whether it’s a smartphone or a professional lens, the camera is a powerful tool. It can connect, document, and inspire. But it also carries responsibility. Modern travel photography is more than just capturing the perfect shot: it’s an invitation to look more closely, act respectfully, and seek genuine encounters, not just for the camera, but for life.
The best travel photos tell stories, not stereotypes. They show people, places, and moments in all their diversity, not as props for our digital self-image.
FRANÇAIS
Voyager avec l’appareil photo à hauteur d’yeux – plutôt qu’à travers l’objectif
Toutes les deux minutes, il se prend aujourd’hui plus de photos que durant tout le XIXe siècle! Un chiffre impressionnant, symbole du changement de notre époque. Près de 200 ans après l’invention de la photographie (1839), nous produisons, partageons et regardons chaque jour des millions d’images. En voyage, nous souhaitons particulièrement capturer des moments uniques – pour nous-mêmes et pour les autres.
Mais l’accent est souvent mis sur la mise en scène de soi. Grâce aux smartphones, aux drones et à l’édition d’images assistée par l’intelligence artificielle, les clichés ressemblent parfois davantage à des œuvres d’art ou à des posts Instagram savamment travaillés.
La majorité des photos de voyage sont désormais prises avec un smartphone : rapide, simple d’utilisation, il permet de retoucher et de partager instantanément. Fini l’attente du développement, finies les limites de la pellicule!
La « chasse » à la photo parfaite
Sur les réseaux sociaux, une véritable esthétique de la photo de voyage s’est imposée. Rien que sur Instagram, plus de 1,2 milliard de photos sont publiées chaque jour. Certains lieux, comme la Trolltungen Norvège, sont devenus des spots photos si populaires qu’il faut parfois attendre jusqu’à 90 minutes pour prendre la photo. Ce site, encore presque inconnu en 2010 avec moins de 800 visiteurs par an, a attiré environ 79 000 personnes en 2023.
Cette quête de l’image spectaculaire mène parfois à des situations dangereuses: des randonneurs sous-estiment les difficultés, franchissent des zones interdites ou risquent leur vie pour un cliché. Selfies au bord des falaises, cascades sur les toits – tout ça pour quelques secondes de gloire numérique.
Entre respect et clichés
Lorsque les sujets d’une photo ne sont pas des paysages, mais des personnes, il est essentiel de prendre son temps. Les photos peuvent renforcer des stéréotypes – en particulier lorsqu’on photographie des gens sans leur accord, les réduisant à de simples décors. Des enfants, des personnes vulnérables, ou même des lieux de culte deviennent alors le cadre de selfies mis en scène, parfois provocateurs.
10 conseils pour photographier de manière respectueuse en voyage
Pour que la photographie de voyage reste un échange culturel respectueux, voici quelques principes de base:
1. Se renseigner à l’avance Informez-vous sur les usages culturels, les sensibilités religieuses et les interdictions éventuelles dans le pays visité.
2. Établir un contact respectueux Un sourire, un regard, un mot échangé: cela crée de la confiance et montre du respect.
3. Privilégier le dialogue humain Prenez le temps de rencontrer les gens, même sans appareil photo. Tout ne mérite pas forcément d’être capturé. Vivez l’instant présent
4. Sensibilité culturelle Dans les lieux sacrés ou lors de cérémonies, utilisez votre appareil avec discrétion – ou laissez-le dans votre sac.
5. Attention particulière aux enfants Ne photographiez jamais un enfant sans le consentement explicite des parents, et jamais dans une tenue inappropriée.
6. Photographier en pleine conscience Demandez-vous: « Aimerais-je être photographié dans cette situation ? »
7. Ne jamais payer pour des photos d’enfants Offrir de l’argent pour des photos d’enfants peut inciter à l’absentéisme scolaire et créer de mauvaises dynamiques.
8. Respect de la nature et des animaux Gardez vos distances et évitez de perturber la faune.
9. Pas de photos dans les zones de conflit La sécurité et la vie privée priment sur la recherche du scoop.
10. Responsabilité après le voyage Publiez uniquement les images pour lesquelles vous avez le consentement des personnes photographiées, et veillez à un contexte respectueux et non sensationnaliste.
Le droit à l’image
En principe, toute personne reconnaissable sur une photo doit donner son accord pour sa diffusion. De nombreux pays ont aussi des lois spécifiques sur la protection des données et la publication d’images.
Il existe des exceptions: par exemple, si la personne est un « élément accessoire » (comme un passant devant un monument). Lors d’événements publics, comme des défilés ou des marathons, les visiteurs peuvent s’attendre à être photographiés.
Voyager et photographier en conscience
Voyager aujourd’hui signifie souvent: voir le plus de choses possible en peu de temps et en prendre un maximum de photos. Mais que reste-t-il vraiment de ces souvenirs? Personnellement, j’ai remis en question ma façon de voyager en découvrant des photos sur une vieille pellicule dont je ne me souvenais même plus du lieu. Depuis, j’ai adopté une nouvelle approche: plus consciente, plus lente, plus longue, plus proche.
Conclusion
Qu’il s’agisse d’un smartphone ou d’un appareil professionnel, la caméra est un outil puissant. Elle peut connecter, documenter et inspirer. Mais elle implique aussi une responsabilité. La photographie de voyage moderne va bien au-delà de la recherche de la photo parfaite: c’est une invitation à porter un regard plus attentif, à agir avec respect et à chercher des rencontres authentiques – non seulement pour l’objectif, mais pour la vie.
Les meilleures photos de voyage racontent des histoires, pas des clichés. Elles montrent la richesse des lieux, des personnes et des moments – et ne réduisent rien ni personne à un simple décor pour notre image numérique.
Reisen verändert und prägt die eigene Lebenseinstellung, besonders, wenn man tiefer eintaucht. Neue Eindrücke, fremde Kulturen, Erholung und unerwartete Begegnungen sind nur einige Gründe, warum jährlich über eine Milliarde Menschen ihre gewohnte Umgebung verlassen. Viele wünschen sich heute mehr als Sightseeing und Selfies. Sie wollen einen Perspektivenwechsel und verstehen, wie Menschen anderswo ihren Alltag meistern, und mit vielen Geschichten und authentischen Erlebnissen im Gepäck nach Hause zurückkehren.
Im ostafrikanischen Land treffen beeindruckende Naturwunder auf eine vielfältige Tierwelt. Der Victoria-See und der Tanganjika-See zählen zu den größten und tiefsten Seen der Welt, während der Kilimandscharo das Dach von Afrika ist. Aber auch kulturell ist Tansania ein Potpourri der Einzigartigkeit: Auf rund 947.300 km² treffen über 100 Stämme mit ebenso vielen Sprachen und Traditionen aufeinander. VON ANNA KODEK
Wälder sind für viele Menschen ein Rückzugsort, ein Stück Natur, das zu einer Auszeit vom Alltag einlädt. Aber wie naturnah sind unsere Wälder eigentlich? Gibt es in Mitteleuropa noch ursprüngliche Wälder und wie würde ein „echter“ Urwald aussehen? Antworten dazu finden wir nicht nur auf anderen Kontinenten, sondern direkt vor unserer Haustür, in Rumänien. Über die Schönheit der ursprünglichen Wälder, großzügige Gastfreundschaft, aber auch mafiöse, von Gier geprägte Strukturen erzählt MATTHIAS SCHICKHOFER in einem Interview mit EMMA KLUGER, Praktikantin bei NFI.
Seit der Eröffnung des Naturfreundehauses in Petit Mbao im Januar 2004 habe ich Naturfreunde-Reisen nach Senegal begleitet. Mit einer aus 20 Personen bestehenden Gruppe habe ich nun Ende Januar/Anfang Februar 2025 diese Tätigkeit beendet. Diese meine letzte Gruppenreise hat uns – neben einigen Programmpunkten in und um Dakar – über Koungheul, Tambacounda, den Nationalpark Niokolo Koba bis nach Kédougou im Osten des Landes geführt. In Dakar wurden wir von mehreren Mitgliedern der Naturfreunde Senegal (ASAN – Association Sénégalaise des Amis de la Nature) begleitet, während der Überlandtour war Mamadou Mbodji, stellv. Generalsekretär von ASAN, unser Begleiter.
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