Rumänische Urwälder – Nachhaltiger Tourismus statt Abholzung

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Wälder sind für viele Menschen ein Rückzugsort, ein Stück Natur, das zu einer Auszeit vom Alltag einlädt. Aber wie naturnah sind unsere Wälder eigentlich? Gibt es in Mitteleuropa noch ursprüngliche Wälder und wie würde ein „echter“ Urwald aussehen? Antworten dazu finden wir nicht nur auf anderen Kontinenten, sondern direkt vor unserer Haustür, in Rumänien. Über die Schönheit der ursprünglichen Wälder, großzügige Gastfreundschaft, aber auch mafiöse, von Gier geprägte Strukturen erzählt MATTHIAS SCHICKHOFER in einem Interview mit EMMA KLUGER, Praktikantin bei NFI.

Mit großer Begeisterung berichtet Matthias, wie nachhaltiger Tourismus dazu beitragen kann, diese einzigartige Landschaft zu schützen und die Bevölkerung für den Schutz der Wälder zu begeistern. Gemeinsam mit anderen Aktivist*innen setzt er sich für strenge Regulierungen und der Förderung eines nachhaltigen Tourismus ein.

Am Anfang seines Engagements stand die fortschreitende, oft auch illegale Zerstörung der ursprünglichen Wälder. Er berichtet davon, dass rumänische Naturschützer*innen den starken Einfluss einer regelrechten „Holzmafia“ beklagen. Die oft illegalen Abholzungen finden sogar in EU-Schutzgebieten statt und dauern trotz rechtlicher Klagen und EU-Beschwerden weiterhin an. Wie kann Tourismus dieser Zerstörung entgegenwirken?

© Matthias Schickhofer
© Matthias Schickhofer

Tourismus als Schutz für einzigartige Landschaften

Behutsamer und nachhaltiger Natur-Tourismus kann zum Schutz einer wertvollen Naturlandschaft beitragen – weil durch das touristische Einkommen ein wirtschaftlicher Anreiz für die Bewahrung der Naturschönheiten entsteht. Tourist*innen wollen schließlich eine möglichst intakte, ursprüngliche Natur vorfinden anstatt durch Abholzung verursachte Kahlschläge. Die Beteiligung der lokalen Bevölkerung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Anders als kurzfristig lukriertes Einkommen aus Korruptionsgeschäften stellt eine nachhaltige, gemeindebasierte Tourismusentwicklung für die Einheimischen ein langfristig wirkendes, ökonomisches Standbein dar. Von den Tourist*innen profitieren sowohl die Unterkunftsbetreiber*innen und die Gastronomie als auch viele andere Betriebe und Sparten, wenn z. B. lokales Handwerk oder landwirtschaftliche Produkte verkauft werden. Darüber hinaus bieten sich Jobchancen für Einheimische als Guides, die den Besucher*innen die regionalen Besonderheiten zeigen.

Lost Place Băile Herculane und beeindruckende Naturerlebnisse

Rumänien beeindruckt dabei nicht nur mit einer sagenhaften, beeindruckenden Natur im Domogled Nationalpark und dem Făgăraș-Gebirge, sondern auch mit einzigartigen Lost Places in Băile Herculane. Das ehemals durch Kaiserin Sisi besuchte Băile Herculane ist geprägt von zerfallenden ehemals prunkvollen Villen, Bädern und Hotels, die nicht nur für Fotograf*innen ein faszinierendes, nostalgisches Motiv darstellen. Im Kontrast dazu bieten der nahe gelegene Domogled-Valea Cernei Nationalpark und das weiter im Osten gelegene Făgăraș-Gebirge einzigartige Einblicke in diese letzten unberührten Wälder der EU.

© Matthias Schickhofer
© Matthias Schickhofer

Das Făgăraș-Gebirge, das als Natura-2000 Gebiet (theoretisch) unter Schutz von EU-Recht steht, beherbergt eine der größten Urwälder Europas. Hier gibt es sogar noch völlig wilde, von Urwäldern bewachsene Gebirgstäler ohne jeglichen Zugang. In den Alpen gibt es so eine Waldwildnis nicht mehr.

Im Domogled Nationalpark laden die naturnahen Wälder im unteren Cerna-Tal zu beeindruckenden Walderkundungen und authentischen Begegnungen mit Einheimischen ein. Von Mitteleuropa aus ist die Region einfach und umweltfreundlich per Bahn erreichbar, z. B. per täglicher Nachtzugverbindung Wien – Bukarest oder per Direktverbindung Budapest – Timisoara mit Anbindung an die Stadt Băile Herculane.

© Matthias Schickhofer
© Matthias Schickhofer

Urwald Rothwald – Österreichisches Good Practice für den Schutz von Urwäldern

Das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal mit seinem einzigartigen Urwald Rothwald ist ein Vorzeigeprojekt, wie Tourismus zu einer nachhaltigen Regionalentwicklung und zum Schutz von Wäldern beitragen kann. Als UNESCO-Weltnaturerbe und von der IUCN anerkanntes Schutzgebiet wird das Wildnisgebiet erfolgreich in seinem dynamischen Zustand erhalten. Der strenge Schutzstatus des Urwalds Rothwald bedeutet aber starke Einschränkungen für den Besuch: Derzeit beträgt die Wartezeit für eine Exkursion etwa drei Jahre. Das Erleben der rumänischen Urwälder ist auf den existierenden Wanderwegen hingegen ohne Wartezeit und jederzeit möglich! Dank der erwähnten Zugverbindungen kann die Anreise klimaschonend erfolgen.

Rumäniens Wälder entdecken

Diese besonderen Wälder sind noch kaum bekannt. Daher hat Matthias Schickhofer mit Fachkolleg*innen im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts (geleitet von der Forst-Uni Rottenburg und gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt) besonders beeindruckende Urwälder erkundet und Wanderwege dahin getestet. Einige Routen werden auf der Projekt-Website detailliert beschrieben und mit vielen Fotos illustriert. Echte Geheimtipps für neugierige Naturliebhaber*innen!
 
Lust auf mehr? Hier könnt ihr online in die Urwälder Rumäniens hineinschnuppern:
https://primaryforests.org


english

Sustainable tourism instead of logging


For many people, forests are a place of retreat, a piece of nature that invites you to take a break from everyday life. But how close to nature are our forests actually? Are there still pristine forests in Central Europe and what would a “real” primeval forest look like? We can find answers to these questions not only on other continents, but right on our doorstep, in Romania. In an interview with EMMA KLUGER (intern at NFI), MATTHIAS SCHICKHOFER tells us about the beauty of pristine forests, generous hospitality but also mafia-like structures characterized by greed.

Matthias enthusiastically explains how sustainable tourism can help to protect this unique landscape and inspire the population to protect the forests. Together with other activists, he campaigns for strict regulations and the promotion of sustainable tourism. 

His commitment began with the progressive, often illegal destruction of the original forests. He reports that Romanian conservationists complain about the strong influence of a veritable “timber mafia”. The often illegal logging even takes place in EU protected areas and continues despite legal action and EU complaints. How can tourism counteract this destruction?

© Matthias Schickhofer
© Matthias Schickhofer

Tourism as protection for unique landscapes

Careful and sustainable nature tourism can contribute to the protection of a valuable natural landscape – because tourism income creates an economic incentive for the preservation of natural beauty. After all, tourists want to find nature that is as intact and pristine as possible instead of clear-cuts caused by deforestation. The participation of the local population plays a decisive role in this. Unlike short-term income from corruption deals, sustainable, community-based tourism development represents a long-term economic mainstay for the locals. Both accommodation operators and restaurants benefit from tourists, as do many other businesses and sectors, for example when local crafts or agricultural products are sold. There are also job opportunities for locals as guides who show visitors the region’s special features.

Lost place Băile Herculane and impressive nature experiences

Romania not only impresses with its fabulous, impressive nature in Domogled National Park and the Făgăraș Mountains, but also with unique lost places in Băile Herculane. Formerly visited by Empress Elisabeth of Austria, Băile Herculane is characterized by the decay of once magnificent villas, baths and hotels, which are a unique, nostalgic motif not only for photographers. In contrast, the nearby Domogled – Valea Cernei National Park and the Făgăraș Mountains further east offer unique insights into these last untouched forests in the EU.

© Matthias Schickhofer
© Matthias Schickhofer

The Făgăraș Mountains, which are (theoretically) protected under EU law as a Natura 2000 site, are home to one of the largest collections of primeval forests in Europe. There are even completely wild mountain valleys covered with primeval forests without any roads. You won’t find a forest wilderness like this in the Alps.

In Domogled National Park, the nearby semi-natural forests in the lower Cerna Valley invite you to enjoy unique forest explorations and authentic encounters with the locals.

The region can be reached easily and environmentally friendly by train from Central Europe, e.g. by daily overnight train connection Vienna – Bucharest or by direct connection Budapest – Timisoara with a connection to the city of Băile Herculane.

© Matthias Schickhofer
© Matthias Schickhofer

Rothwald primeval forest – Austrian good practice for the protection of primeval forests 

The Dürrenstein-Lassingtal wilderness area with its unique Rothwald primeval forest is just one example of how tourism can contribute to sustainable regional development and the protection of forests. As a UNESCO World Heritage Site and IUCN-recognized protected area, the wilderness area is being successfully preserved in its dynamic state. 

However, the strict protection status of the Rothwald primeval forest means that there are severe restrictions on visits: the waiting time for an excursion is currently around three years. It is possible to experience the Romanian primeval forests on the existing hiking trails without waiting time and at any time! Thanks to the train connections mentioned above, the journey can be made in a climate-friendly way. 

Discover Romania’s forests

These special forests are still hardly known. Matthias Schickhofer has therefore explored particularly impressive primeval forests with fellow experts as part of a scientific project (led by the University of Rottenburg and funded by the German Federal Environmental Foundation) and tested hiking trails to them.

Here you can get a taste of Romania’s primary forests online:
https://primaryforests.org


français

Tourisme durable au lieu des déboisements

Pour de nombreuses personnes, les forêts sont des lieux de retraite, des coins de nature invitant à se reposer du quotidien. Mais à quel point nos forêts sont-elles proches de la nature ? Existe-t-il encore en Europe centrale des forêts naturelles et à quoi ressemblerait une « vraie » forêt vierge ?
Les réponses à ces questions ne se trouvent pas seulement sur d’autres continents, mais directement à notre porte, en Roumanie. Dans une interview avec EMMA KLUGER (stagiaire chez IAN), MATTHIAS SCHICKHOFER nous parle de la beauté des forêts primaires, de l’hospitalité généreuse mais aussi des structures mafieuses marquées par la cupidité.

C’est avec beaucoup d’enthousiasme que Matthias nous explique comment le tourisme durable peut contribuer à protéger ces paysages uniques et à enthousiasmer les populations pour la protection des forêts. Avec d’autres militants, il s’engage pour une réglementation stricte et la promotion d’un tourisme durable.
Son engagement né au vu de la destruction progressive, et souvent illégale, des forêts primaires. Il rapporte que les protecteurs de la nature roumains déplorent la forte influence d’une véritable « mafia du bois ». Les déboisements souvent illégaux ont lieu même dans les zones protégées de l’UE et perdurent malgré les actions en justice et les plaintes de l’UE. Comment le tourisme peut-il contrebalancer cette destruction ?

© Matthias Schickhofer
© Matthias Schickhofer

Le tourisme comme protecteur de paysages uniques

Un tourisme naturel sensible et durable peut contribuer à la protection de paysages naturels précieux – car les revenus tirés du tourisme peuvent servir d’incitation économique à la préservation des beautés naturelles. Les touristes recherchent en effet une nature aussi intacte et originale que possible plutôt que des coupes à blanc causées par la déforestation. La participation des populations locales joue ici un rôle décisif. Contrairement aux revenus rapides issus de la corruption, le développement touristique durable ancrée dans la communauté représente un pilier économique à long terme pour les populations locales.

Les touristes profitent aussi bien aux hébergeurs et aux restaurateurs qu’à de nombreuses autres entreprises et secteurs, par exemple par la vente de produits artisanaux ou agricoles. En outre, des opportunités d’emploi s’ouvrent aux locaux, par exemple celui de guide faisant découvrir les sites d’intérêt.

Băile Herculane – une place perdue proposant des expériences impressionnantes de la nature

La Roumanie n’impressionne pas seulement par sa nature fabuleuse et riche dans le parc national de Domogled et dans la zone des monts Făgăraș, mais aussi par des lieux perdus uniques à Băile Herculane. Autrefois visitée par l’impératrice Elisabeth, Băile Herculane est marquée par le délabrement de villas, de stations thermales et d’hôtels autrefois somptueux, proposant un cadre unique et nostalgique, pas seulement pour les photographes. En contraste, le parc national Domogled-Valea Cernei tout proche et les monts Făgăraș situés plus à l’est permettent de se faire une idée de ces dernières forêts intactes de l’UE.

© Matthias Schickhofer
© Matthias Schickhofer

Les monts Făgăraș, (théoriquement) protégées par la législation européenne en tant que site Natura 2000, abritent en tout cas l’une des plus grandes concentrations de forêts vierges d’Europe. On y trouve même des vallées de montagne entièrement sauvages, couvertes de forêts primaires et dépourvues de tout sentier. Dans les Alpes on ne trouve plus de telles forêts sauvages.
Dans le parc national de Domogled, les forêts naturelles situées à proximité, dans la basse vallée de la Cerna, invitent à des découvertes uniques du milieu et à des rencontres authentiques avec les populations.

Depuis l’Europe centrale, la région est accessible facilement et de manière écologique par le train, par exemple par la liaison quotidienne de nuit Vienne-Bucarest ou par la liaison directe Budapest-Timisoara avec une connexion à la ville de Băile Herculane.

© Matthias Schickhofer
© Matthias Schickhofer

La forêt primaire « Rothwald » – un exemple de bonnes pratiques pour la protection des forêts vierges en Autriche

La zone de nature sauvage Dürrenstein-Lassingtal et sa forêt primaire unique « Rothwald » ne sont qu’un exemple de la manière dont le tourisme peut contribuer au développement régional durable et à la protection des forêts. En tant que patrimoine naturel mondial de l’UNESCO et zone protégée reconnue par l’UICN, la zone de nature sauvage est préservée avec succès dans son état dynamique.

Le statut de protection stricte de la forêt primaire de « Rothwald » implique toutefois de fortes restrictions pour sa visite : actuellement, le délai d’attente pour une excursion est d’environ trois ans.
En revanche, l’expérience de la forêt primaire roumaine est possible sans délai d’attente et à tout moment sur les sentiers de randonnée existants ! Grâce aux liaisons ferroviaires mentionnées, le voyage peut se faire dans le respect du climat.

Découvrir les forêts de Roumanie

Ces forêts particulières sont encore peu connues. C’est pourquoi Matthias Schickhofer et ses collègues ont exploré des forêts vierges particulièrement impressionnantes dans le cadre d’un projet scientifique (dirigé par l’Université forestière de Rottenburg et soutenu par la Fondation fédérale allemande pour l’environnement) et y ont testé des sentiers de randonnée. Certains itinéraires sont décrits en détail sur le site web du projet et illustrés par de nombreuses photos. De véritables tuyaux pour les amoureux de la nature curieux !

Envie d’en savoir plus ? Ici, vous pouvez découvrir en ligne les forêts primaires de Roumanie :
https://primaryforests.org