Das Kankurang-Festival in Janjanbureh (Gambia) | The Kankurang Festival in Janjanbureh (The Gambia) | Le Festival du Kankourang à Janjanbureh (Gambie)

english version below | version française ci-dessous

Das Kankurang-Festival in Janjanbureh (Gambia) – Die Landschaft des Jahres als Katalysator

von Ingeborg Pint

Schon zum zweiten Mal besuchten Naturfreundinnen und Naturfreunde – anlässlich einer Gruppenreise der Naturfreunde Baden (Deutschland) in die Landschaft des Jahres Senegal/Gambia – das Kankurang-Festival in Janjanbureh (Gambia). Diesmal dauerte es drei Tage, von Freitag 18. bis Sonntag 20. Januar 2019. Höhepunkt war der Samstag-Abend mit den Präsentationen von 15 Gruppen – „echten“ Kankurangs und anderen Maskenfiguren wie Zimba, Fairy, Kumpo oder Hunting Devil und andere. Das Rahmenprogramm umfasste geführte Touren in und um Janjanbureh sowie Handwerks- und Koch-Workshops.


Die Tradition des Kankurang
In der Mandinka-Tradition (Senegal und Gambia) ist ein Kankurang eine von Kopf bis Fuß kostümierte Figur, deren Identität nicht erkennbar ist und die bei Initiations- und Beschneidungsriten für den Schutz der Initianden, aber auch generell für Ordnung und Sicherheit in der Gemeinschaft zu sorgen hat. Er (es gibt nur wenige weibliche Kankurangs) verkörpert die spirituellen und moralischen Werte der traditionellen Mandinka-Gesellschaft und ist von vielen Geheimnissen umgeben. Anlässlich der Aufnahme in die Liste Immateriellen Kulturerbes der UNESCO im Jahr 2005 wurde unterstrichen, dass der Kankurang „ein Faktor gesellschaftlichen Zusammenhalts ist und dafür sorgt, dass der komplexe Bestand an Wissen und Praktiken weitergegeben und gelehrt wird, der die von den Initianden bewahrte kulturelle Identität der Mandinka ausmacht“.

Kumpo (Foto: Peter Backof)

Das Kankurang-Center neben dem Festplatz in Janjanbureh informiert anschaulich über diese Tradition und die verschiedenen Kankurangs und andere Maskenfiguren. Hier erfahren die BesucherInnen, welche Rolle konkret jedem der zahlreichen Kankurang-Typen zugewiesen ist und woraus die Kostüme bestehen: Bastfasern, Mahagoni-Zweige und die Rinde des Kamelfußbaumes (Bauhinia variegata) sind die Hauptbestandteile.

Das Kankurang-Festival
Soweit der traditionell-rituelle Hintergrund der Maskenzüge. Aktuelle Kankurang-Auftritte haben sich weitgehend von diesem Kontext abgesetzt, sind „Darbietungen“, „Shows“, was in den Augen Vieler zur Banalisierung der Tradition beigetragen hat. Durch die Kommerzialisierung und touristische „Nutzung“ der Kankurang-Tradition, die damit Allgemeingut wird, verlieren die ursprünglich rituellen Umzüge ihre Aura.

So ist auch das Festival als Darbietung, als „Vorstellung“ zu sehen und ist für Janjanbureh und den Central River District Gambias eine touristische Attraktion. Es geht auf das Jahr 1983 zurück und fand bis 2008 regelmäßig statt. Nach zehnjähriger Pause wurde es im Januar 2018 aus Anlass der Ausrufung der Landschaft des Jahres Senegal-Gambia wiederbelebt und mittlerweile in den nationalen Kulturkalender Gambias als alljährlich in der zweiten Januar-Hälfte stattfindende Veranstaltung aufgenommen. Die Landschaft des Jahres kann also als Katalysator für die Bewahrung traditionellen Kulturguts in einem neuen Zusammenhang gesehen werden.

Hunting Devil (Foto: Peter Backof)

Mit einiger Sorge wird allerdings festgestellt, dass Klimawandel und Rodungen sich auf die Kankurang-Maskeraden auswirken: Fast alle Figuren sind original in Naturmaterialen gekleidet – Blätter, Rinde, Muscheln, etc. Vor allem die Mahagoni-Bestände sind dramatisch zurückgegangen, so dass mehr und mehr Ersatzmaterialien für die Kostüme der Kankurangs verwendet werden.

Das Festival findet an einem traditionellen Kultort statt: dem quadratischen Festplatz „Tinyangsita“. Die ZuschauerInnen stehen oder sitzen an drei Seiten des Vierecks, an der vierten reihen sich Verkaufsstände aneinander mit Produkten verschiedener Kooperativen und touristischen Souvenir-Artikeln. Auch hier wird deutlich, dass es sich um eine karnevalsähnliche Veranstaltung handelt, inspiriert von den traditionellen Paraden der Kankurangs, die rituellen Hintergrund haben.

Dieser „Karneval“ ist allerdings äußerst eindrucksvoll. Bei untergehender Sonne füllt sich der Festplatz allmählich, ein Zeremonienmeister kündigt die erste Kankuranggruppe an. Nun reiht sich eine Präsentation an die andere – insgesamt dauern die Darbietungen etwa drei Stunden. Immer wieder begleitet Trommelwirbel den Kankurang bei seinen Gesängen und Tänzen. Besonderen Applaus erhält eine Figurengruppe, die nicht aus der Mandinka-Tradition stammt: Zimba, der „falsche Löwe“ – ein als Löwe verkleideter und geschminkter Darsteller, der von seinen „Frauen“ begleitet wird, die von Männern dargestellt werden. Die Vielfalt der Gruppen ist beeindruckend, das Publikum ist begeistert.

Zimba, der „Falsche Löwe“ (Foto: Dieter Pfeifle)

So wie die Maskengruppen sich beim Festival präsentieren, veranschaulichen sie auch das Abgehen von streng traditionellen Kostümen – statt pflanzlichen Materialien sieht man auch Wolle und Plastik, und das Kostüm eines Kankurang-Begleiters ist über und über mit Kronenkorken verschiedener Getränkeflaschen besetzt. Die als Begleiterinnen des Zimba verkleideten jungen Männer tragen Schuhe mit provokant hohen Absätzen, laszive Kleidung und Netzstrumpfhosen. Hier begegnen einander Tradition und Moderne.

 

Jamba Jabally (Foto: Peter Backof)

Den beeindruckenden Abschluss des Programms bildet Jamba Jabally, eine ganz in Blattwerk gehüllte Figur, deren Gesang – auch wenn man den Text nicht versteht – sich nachhaltig einprägt. Diese ruhige und eindringliche Darstellung ist das Signal für die Zuschauerinnen und Zuschauer, langsam das Festivalgelände zu verlassen. Sie ist vielleicht am ehesten geeignet, den ursprünglich kultischen Hintergrund der Kankurangauftritte nachempfindbar zu machen.


english

The Kankurang Festival in Janjanbureh (The Gambia) – The Landscape of the Year as a Catalyst

by Ingeborg Pint

Already for the second time Naturefriends participated in the Kankurang Festival in Janjanbureh (Gambia), on the occasion of a group trip of Naturefriends Baden (Germany) to the Landscape of the Year Senegal/The Gambia. This time the Festival lasted three days, from Friday 18 to Sunday 20 January 2019. The highlight was, on Saturday evening, the presentations of 15 groups – “real” Kankurangs and other masquerades like Zimba, Fairy, Kumpo, Hunting Devil and others. The supporting programme included guided tours in and around Janjanbureh, as well as craft and cooking workshops.

The Kankurang tradition

In the Mandinka tradition (Senegal and The Gambia) a Kankurang is a figure costumed from head to toe, whose identity is not recognizable and who has to provide for the protection of the initiates during initiation and circumcision rites, but also for order and security in the community in general. He (there are only a few female Kankurangs) embodies the spiritual and moral values of the traditional Mandinka society and is surrounded by many secrets. On the occasion of its inclusion in UNESCO’s List of Intangible Cultural Heritage in 2005, it was emphasized that the Kankurang „is a factor contributing to social cohesion, and to the transmission and teaching of a complex collection of knowhow and practices underpinning Manding cultural identity which is guarded by the initiates“.

Kumpo (Photo: Peter Backof)

The Kankurang Centre next to the fairground in Janjanbureh provides detailed information about this tradition and the various Kankurangs and other masked figures. Here the visitors learn what role each Kankurang type is assigned to and what the costumes consist of: bast fibres, mahogany branches and the bark of the camel foot tree (Bauhinia variegata) are the main components.

The Kankurang Festival
So much for the traditional ritual background of the masquerade. Current Kankurang masquerades appear in a different setting, they are „performances“, „shows“, which in the eyes of many have contributed to the banalisation of tradition. Through the commercialisation and touristic „use“ of the Kankurang tradition, which thus becomes common property, the originally ritual processions lose their aura.
Thus, the Kankurang Festival is also to be seen as a performance, as a „show” and is a tourist attraction for Janjanbureh and Gambia’s Central River District. It dates back to 1983 and was held regularly until 2008. After a ten-year break, it was reactivated in January 2018 on the occasion of the kick-off event of the Landscape of the Year Senegal/The Gambia and is now included in The Gambia’s national cultural calendar as an annual event in the second half of January. The Landscape of the Year can, therefore, be considered as a catalyst for the preservation of traditional cultural assets in a new context.

Hunting Devil (Photo: Peter Backof)

With some concern, however, it is seen how climate change and deforestation also affect the Kankurang masquerades: almost all the figures should be originally dressed in natural materials – leaves, bark, shells, etc. Especially the mahogany resources have decreased dramatically, so that more and more substitute materials are used for the costumes of the Kankurangs.

The festival takes place at a traditional place of worship: the „Tinyangsita“ square. The spectators stand or sit on three sides of the quadrilateral, at the fourth there are stalls with products of different cooperatives and tourist souvenir articles. Here, too, it becomes evident that this is a carnival-like event, inspired by the traditional parades of the Kankurangs, which have a ritual background.

This „carnival“, however, is very impressive – as the sun sets, the square gradually fills up and a master of ceremonies announces the first Kankurang group. Now one presentation follows the other – the whole programme lasts about three hours. Again, and again drum rolls accompany the Kankurang in his songs and dances. Special applause goes to a group of figures who do not come from the Mandinka tradition: Zimba, the „false lion“ – a person dressed up and made up as a lion, accompanied by his „wives“, who are portrayed by men. The variety of the groups is impressive, the audience reacts enthusiastically.

Zimba, the „False Lion“ (Photo: Dieter Pfeifle)

The costumes of the figures too, illustrate the departure from tradition. Instead of plant materials, one sees wool and plastic, and the costume of a Kankurang’s companion is covered over and over with crown corks of various drinks. The young men dressed as Zimba’s wives wear shoes with provocative high heels, lascivious clothes and fishnet tights. This is where tradition and modernity meet.

Jamba Jabally (Photo: Peter Backof)

The impressive conclusion of the programme is Jamba Jabally, a figure wrapped entirely in foliage, whose singing – even if one does not understand the words – has a lasting effect. This calm and haunting performance is the signal for the spectators to slowly leave the festival ground. It is perhaps best suited to recreate the originally cultic background of the Kankurang masquerades.


français

Le Festival du Kankourang à Janjanbureh (Gambie) – le Paysage de l’Année comme catalyseur

par Ingeborg Pint

Déjà pour la deuxième fois, des Amis de la Nature ont participé au Festival du Kankourang à Janjanbureh (Gambie), à l’occasion d’un voyage d’un groupe d’Amis de la Nature de Bade (Allemagne) dans le Paysage de l’Année Sénégal/Gambie. Cette fois-ci, le Festival a duré trois jours, du vendredi 18 au dimanche 20 janvier 2019, et a culminé le samedi soir dans l’apparition de 15 groupes – de « vrais » Kankourangs et d’autres figures masquées, comme Zimba, Fairy, Koumpo, Hunting Devil et autres. Le programme accompagnant comprenait des visites guidées dans et autour de Janjanbureh ainsi que des ateliers d’artisanat et de cuisine.

La tradition de Kankourang

Dans la tradition mandingue (Sénégal et Gambie), un Kankourang est un personnage costumé de la tête aux pieds, qui doit assurer la protection des initiés lors des rites d’initiation et de circoncision, mais aussi l’ordre et la sécurité dans la communauté en général. Il (il y a peu de femmes Kankourangs) incarne les valeurs spirituelles et morales de la société mandingue traditionnelle et beaucoup de secrets planent sur ses apparitions. À l’occasion de son inscription sur la Liste du patrimoine culturel immatériel de l’UNESCO en 2005, il a été souligné que le Kankourang « est un facteur contribuant à la cohésion sociale, à la transmission et à l’enseignement d’un ensemble complexe de savoir-faire et de pratiques qui constituent le fondement de l’identité culturelle mandingue qui est protégé par les initiés ».

 

Kuompo (Photo: Peter Backof)

Le Kankurang Centre, situé à côté de la place des fêtes à Janjanbureh, informe sur cette tradition et sur les différents Kankourangs et autres figures masquées. Ici, les visiteurs apprennent quel rôle est assigné à chaque type de Kankourang et en quoi consistent les costumes : des fibres de raphia, des branches d’acajou et l’écorce du pied de chameau (Bauhinia variegata) en sont les principaux composants.

Le festival du Kankourang

En voilà pour ce qui concerne l’origine rituelle traditionnelle des processions masquées. Les actuelles apparitions de Kankourangs sont d’une manière générale détachées de ce contexte, sont des « shows », des « spectacles » qui, aux yeux de beaucoup, ont contribué à la banalisation de la tradition. Les processions rituelles originelles perdent leur aura par la commercialisation et l’« utilisation » touristique de la tradition du Kankourang, qui devient ainsi un bien commun. Le Festival doit lui aussi être considéré comme un « spectacle » et est une attraction touristique pour Janjanbureh et le Central River District de Gambie. Il remonte à 1983 et s’est tenu régulièrement jusqu’en 2008. Après une pause de dix ans, il a été ressuscité en janvier 2018 à l’occasion du lancement du Paysage de l’Année Sénégal-Gambie et figure désormais au calendrier culturel national de la Gambie en tant qu’événement annuel pendant la seconde quinzaine de janvier. Le Paysage de l’Année peut donc être considéré comme un catalyseur pour la préservation d’un bien culturel traditionnel dans un nouveau contexte.

Hunting Devil (Photo: Peter Backof)

Avec une certaine inquiétude, cependant, on voit comment le changement climatique et la déforestation affectent également les mascarades du Kankourang : presque tous les personnages sont à l’origine habillés de matériaux naturels – feuilles, écorce, coquillages, etc. Les peuplements d’acajou, en particulier, ont considérablement baissé, de sorte que de plus en plus de matériaux de substitution sont utilisés pour les costumes des Kankourangs.
Le Festival se déroule sur un site de culte traditionnel : la place « Tinyangsita ». Les spectateurs sont debout ou assis sur trois côtés du quadrilatère, au quatrième il y a des stands avec des produits de différentes coopératives et des souvenirs touristiques. Ici aussi, il devient clair qu’il s’agit d’un événement carnavalesque, inspiré des défilés traditionnels et rituels des Kankourangs.

Mais ce « carnaval » est très impressionnant : au coucher du soleil, la place se remplit progressivement et un maître de cérémonie annonce le premier groupe de Kankourang. Maintenant, les présentations se succèdent – tout le programme dure environ trois heures. Des roulements de tambour accompagnent sans cesse le Kankourang dans ses chants et ses danses. De très forts applaudissements sont adressés à un groupe de personnages qui ne sont pas issus de la tradition mandingue : le simb (le „faux lion“) – un acteur déguisé et maquillé en lion, accompagné de ses « femmes », représentées par des hommes. La variété des groupes est impressionnante, le public réagit avec enthousiasme.

Zimba (Simb), le „Faux Lion“ (Photo: Dieter Pfeifle)

L’habillement des groupes de masques illustre aussi l’abandon des costumes strictement traditionnels – au lieu de matières végétales, on voit de la laine et du plastique, et le costume d’un compagnon Kankourang est recouvert de capsules de bouteilles diverses. Les jeunes hommes représentant les « femmes » de Zimba portent des chaussures à talons hauts provocants, des vêtements lascifs et des collants en résille. C’est là que la tradition et la modernité se rencontrent.

Jamba Jabally (Photo: Peter Backof)

La conclusion impressionnante du programme est Jamba Jabally, un personnage entièrement enveloppé de feuillages, dont le chant – même si on ne comprend pas les mots – se grave dans les mémoires. Cette présentation envoûtante est le signal pour les spectateurs pour quitter la place des fêtes. Elle est peut-être la mieux adaptée à faire comprendre le contexte initialement rituel du Kankourang.