Lady Elliot Island – eine Arche Noah, die Umweltschutz, Wissenschaft und Tourismus verbindet

FAIReise mit uns – in 30 Tagen um die Welt! Station 5 

Auf der Suche nach mehr Nachhaltigkeit im Tourismus begeben wir uns in diesem Jahr auf eine virtuelle Reise um die Welt – mit Stopps auf 5 Kontinenten, wo wir euch jeweils ein lokales Projekt vorstellen.    
Unsere Reise begann mit einem nachhaltigen Tourismusprojekt in Ecuador und führte uns weiter über den Atlantik nach Gambia. Von da aus reisten wir nach Bosnien und Herzegowina und anschließend weiter in den Iran. Nun fehlt uns auf unserer virtuellen Reise nur noch ein nachhaltiges Tourismusprojekt von dem wir euch berichten möchten … Ab nach Down Under, und zwar auf Lady Elliot Island!

Unsere Themen:

Lady Elliot Island, wo genau liegt das denn?

Lady Elliot Island liegt vor Australiens Ostküste und ist die südlichste Koralleninsel des Great Barrier Reefs, ca. 80 Kilometer vom Festland entfernt. Entdeckt wurde sie 1816. Die Insel ist 870 Meter lang und 670 Meter breit, 80 Prozent der Insel sind unberührte Natur, ein Drittel davon ist ein Vogelschutzgebiet, das nicht betreten werden darf.

Lady Elliot Island aus der Vogelperspektive (Foto: Archiv Lady Elliot Island Eco Resort)

Tourismus in einem sensiblen Ökosystem

Auf der kleinen Insel betreibt Peter Gash seit 2005 mit seiner Familie das Lady Elliot Island Eco Resort, das wir euch näher vorstellen wollen. Lady Elliot Island präsentiert sich heute als Naturjuwel. Doch das war nicht immer so … Früher wurde auf der Insel Guano, der gehaltvolle Dünger aus Vogelmist, abgebaut; daneben wurden Ziegen auf die Insel gebracht, die mit der Zeit alles Grün abgefressen hatten.

Ziegen auf Lady Elliot Island 1956–1960 (Foto: Archiv Lady Elliot Island Eco Resort)

Anfang der 1960er-Jahre wurden die Ziegen schließlich entfernt und es wurde begonnen, die Insel wieder aufzuforsten. In den 1970er-Jahren startete auch der Tourismus auf der Insel, ein Resort wurde errichtet. Dieses Resort – die einzige touristische Unterkunft auf der Insel – übernahm Peter Gash mit seiner Familie im Jahr 2005. Damals war die Hotelanlage heruntergekommen, die Vegetation litt noch immer unter den Folgen des Guano-Abbaus und der Schafzucht. Bei der Renovierung des Resorts mussten strenge Öko-Auflagen bei der Architektur, dem Betrieb der Anlage sowie bei der Gestaltung der Grünräume eingehalten werden. So baute Peter Gash die Anlage mit seinem Team zum „Lady Elliot Island Eco Resort“ um. 5 Mio. Dollar wurden in die Begrünung, in den Umstieg auf erneuerbare Energien und eine umweltverträgliche Infrastruktur des Resorts investiert.

Lady Elliot Island Eco Cabin (Foto: Archiv Lady Elliot Island Eco Resort)

„Heute ist es Ziel des Resorts, den positiven Einfluss unseres Betriebes zu maximieren, und die Biodiversität auf der Insel nicht nur zu erhalten, sondern zu fördern.“

Peter Gash, Island Custodian

Energie wird aus erneuerbaren Quellen gewonnen. Wenn das Wetter passt, können an die 100 Prozent des benötigten Stroms aus Sonnenergie gewonnen werden.

„Wir arbeiten laufend daran, die Kapazitäten der erneuerbaren Energien zu erhöhen und gleichzeitig den Energieverbrauch auf der Insel sowie graue Energie, also die benötigte Energie für die Herstellung, Lagerung und Entsorgung von Produkten unserer Zulieferer, zu reduzieren.“

Peter Gash, Island Custodian
Hybrid Solar Kraftwerk (Foto: Archiv Lady Elliot Island Eco Resort)

Übrigens ist auch die Zahl der Tourist*innen begrenzt: Es dürfen maximal 150 gleichzeitig auf der Insel nächtigen. So gelingt es, mögliche negative Einflüsse des Tourismus unter Kontrolle zu behalten. Durch die große Entfernung von der Küste, immerhin 80 Kilometer, kommen auch so gut wie keine Tages- oder Freizeitgäste auf die Insel.

Urlaub mit Mehrwert

Das Eco Resort möchte auch seinen Beitrag zur Erhaltung der Naturschönheiten der Insel leisten und dabei spielt die Bewusstseinsbildung zum Thema Nachhaltigkeit durch eine aktive Einbindung der Tourist*innen eine wichtige Rolle. Über 30 lehrreiche Touren zu den Themen Natur, Ökologie, Bedrohungen des Riffs und generell zu Nachhaltigkeit werden angeboten. Die Gäste werden zu „Eco Warriors“ „ausgebildet“, die für den Schutz der Korallenriffe sensibilisiert werden, aber auch dafür, wie sie im Alltag daheim einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten können.

Eine weitere wichtige Säule der Naturschutzaktivitäten auf Lady Elliott Island ist der Freiwilligentourismus. Gäste können am „Revegetation Program“ teilnehmen. Während eines mindestens ein-wöchigen Aufenthalts helfen sie mit, invasives Unkraut zu entfernen und einheimische Pflanzen zu setzen.

„Wir Wissenschaftler*innen haben die Daten bei der Hand, aber das wirklich Wichtige dabei ist, sie einem breiteren Publikum zu kommunizieren. Wenn wir die breite Öffentlichkeit mit uns auf die Reise nehmen, dann können die Menschen den Klimawandel verstehen und auch sehen, wie sie selbst einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz leisten können.“

Dr. Kathy Townsend

Bisher haben 450 Freiwillige ca. 5.500 Stunden Arbeit auf der Insel geleistet. Nistplätze für Schildkröten und Vögel konnten durch ihren Einsatz geschaffen werden. Neben den Gästen sind es auch viele Einheimische, die mitarbeiten. Über 500 Personen sind derzeit auf der Liste der Freiwilligen eingetragen.

Kinder bestaunen die Spuren einer Schildkröte nach der Eiablage (Foto: Archiv Lady Elliot Island Eco Resort)

Auf der Insel wurde auch ein sogenanntes „Citizen Science Program“ initiiert. Die Idee dahinter ist, Laien einzubeziehen, ihr Interesse an der Natur zu wecken, sie für den Umwelt- und Klimaschutz zu sensibilisieren und gleichzeitig Daten für die Wissenschaft zu sammeln. So werden etwa Gäste, Angestellte, Einheimische etc., die tauchen, ermutigt, ihre Unterwasserbilder von Schildkröten, Mantarochen, Korallen usw. mit den Forscher*innen zu teilen. Das unterstützt die Forschung zur Biodiversität auf Lady Elliot Island.

Das Lady Elliot Island Eco Resort und die Wissenschaft

Lady Elliott Island wird oft als Arche Noah bezeichnet. Die Insel ist ein Zufluchtsort für über 1.200 Arten von Meereslebewesen, darunter Wale, Mantarochen, Schildkröten, Delfine und Korallen. Die Insel beherbergt auch die zweitgrößte Vielfalt an brütenden Seevögeln aller Inseln des Great Barrier Reefs. Daher ist die Insel auch wichtiger Aktionsort der „Reef Island Initiative“, die 2018 von der Great Barrier Reef Foundation ins Leben gerufen wurde, um Rifflebensräume in der südlichen Hemisphäre wiederherzustellen. Finanziert wird die Arbeit mit Mitteln von Lendlease, der australischen Regierung, der Regierung von Queensland und der Fitzgerald Family Foundation.

Manta Rochen (Foto: Mark Seabury, Archiv Lady Elliot Island Eco Resort)

Aktuell läuft auf Lady Elliot Island das 4-jährige Forschungsprojekt „Leaf to Reef“, an dem auch das Lady Elliot Island Eco Resort beteiligt ist: Durch den Klimawandel verändert sich die Pflanzen- und Tierwelt – über und unter Wasser. Es sind schon einige tropische Arten aus dem Norden eingewandert. Forscher*innen verschiedenster Fachrichtungen sammeln gemeinsam Daten zur biologischen Vielfalt, um die Widerstandsfähigkeit der Insel und der sie umgebenden Riffe gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels einschätzen zu können. Eine zentrale Forschungsfrage ist, welche Rolle die Aufforstung und der Wiederaufbau von Korallenriffen dabei spielt.

Schildkröten werden vermessen (Foto: Archiv Lady Elliot Island Eco Resort)

Was Mantarochen, Wissenschafter*innen und Tourist*innen verbindet

In den Gewässern um Lady Elliot Island fühlt sich der Mantarochen besonders wohl. Dieser sanfte Riese, ein Planktonfresser mit einer Spannweite von bis zu 7 Meter, wurde 2020 auf die Liste der stark gefährdeten Lebewesen gesetzt. Auf Lady Elliot Island kann man dem Rochen in freier Natur begegnen. Im Projekt wurden seit 2007 über 1.000 Mantarochen markiert. Unterarten, von denen man zuvor nicht wusste, dass sie in den Gewässern vor Australien vorkommen, konnten durch das Projekt bereits bestimmt werden. Durch das Projekt Leaf to Reef konnte ein besseres Verständnis der Meereslebewesen geschaffen werden.

Begegnung mit einem Mantarochen (Foto: Archiv Lady Elliot Island Eco Resort)

“Ganz wichtig ist es, die Menschen in die wissenschaftliche Arbeit einzubinden. Den Menschen muss bewusst gemacht werden, das ihr Handeln zählt.“

Stacey Cairns, Reef Island Initiative, Marketing

Aber nicht nur die Wissenschafter*innen sind im Projekt beschäftigt. Man setzt auch auf die „Citizen Science“: Besucher*innen können z.B. ihre Beobachtungen und Fotos von Mantarochen in eine wissenschaftliche Datenbank hochladen. Auf diese Art und Weise konnten die Besucher*innen schon viel zum Forschungsprojekt beitragen. Nebenbei werden sie auch für das Ökosystem Meer und seinen Schutz sensibilisiert.

Das Reef Education Center auf Lady Elliot Island (Foto: Archiv Lady Elliot Island Eco Resort)

Kampf gegen den Klimawandel

Seit 2018 wurde das Begrünungsprogramm auf der Insel mit der finanziellen Unterstützung der Great Barrier Reef Foundation angekurbelt. Nistplätze für Seevögel und Schildkröten wurden geschaffen. Eine einzigartige „Baumschule“ für heimische Pflanzen beherbergt 7000 Pflanzen aus 27 unterschiedlichen Pflanzenarten. Die Pflanzen stammen von 10 Inseln in der Umgebung, um die genetische Diversifikation und die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen zu fördern. In der Baumschule sind sparsame automatisierte und solarbetriebene Tröpfchen-Bewässerungsanlagen im Einsatz.

Die Baumschule bildet den Grundstein für das Aufforstungsprojekt (Foto: Archiv Lady Elliot Island Resort)

Intaktes Korallenriff (Foto: Archiv Lady Elliot Island Eco Resort)

Der Klimawandel gefährdet aber auch die Korallenriffe, die neben den Regenwäldern als artenreichste Lebensräume der Welt gelten. Durch den Klimawandel bedingte höhere Meerestemperaturen und damit verbunden auch der Wegfall der Nahrungsgrundlage führen zur sogenannten Korallenbleiche: Steinkorallenstöcke, die die Korallen beherbergen, bleichen aus und führen oft zum Absterben der auf ihnen lebenden Korallen.

Lady Elliot Island ist durch ihre geografische Position am südlichen Ende des Great Barrier Reef begünstigt. Bislang ist die Insel ist vom Klimawandel nicht so stark betroffen wie andere Teile des Great Barrier Riffs. Die Wassertemperaturen sind hier bislang noch nicht so stark gestiegen wie anders wo. Dennoch kämpft man auch hier gegen die Dornenkronen. Das sind Seesterne, die sich ausschließlich von Steinkorallen ernähren. Sie vermehren sich aufgrund steigender Wassertemperaturen, aufgrund der Verunreinigung der Meere und als Folge von Überfischung, die ihre natürlichen Feinde dezimieren.

Korallenbleiche am Great Barrier Reef (Foto: Archiv Lady Elliot Island Resort)

Besonders am Great Barrier Reef haben die Dornenkronen wesentlich zum Absterben des Riffs beigetragen. Ähnlich einer Heuschreckenplage „überfallen“ diese Tiere in großen Mengen das Korallenriff. Der Seestern klettert auf die Koralle, stülpt seinen Magen über sie, sondert Verdauungsenzyme aus, das verflüssigte Gewebe dient der Dornenkrone als Nahrung. Dornenkronen vermehren sich auf Grund von Überfischung und Verunreinigung der Meere und der steigenden Wassertemperaturen. Wenige natürliche Feinde und übermäßige Algenbildung durch Umweltverschmutzung tragen zur Vermehrung der Dornenkronen bei.

Dornenkronen setzen den Korallen zu (Foto: wikimedia)

Quellen & für weitere Informationen:
 
Lady Elliot Island Eco Resort
Projekt Leaf to Reef
Life on Reef Video-Serie
Reef Islands Initiative