Bosnien-Herzegowina – Wandertourismus eröffnet neue Perspektiven für Einheimische und Gäste

Eine Wandergruppe des österreichischen Reiseanbieters WELTANSCHAUEN besuchte Ekometa. Hier, nahe Srebrenica, baut Irwin Mujcic von den bosnischen Naturfreunden einen sanften Wander- und Kulturtourismus auf. So soll die vom Krieg gezeichnete Region wiederbelebt und neue Perspektiven für die Menschen, die hier leben, geschaffen werden. EIN REISEBERICHT VON VERENA MITTERMAYR

Die traumatischen Gräueltaten der 1990er-Jahre sind förmlich spürbar. Sarajewo wirkt verlassen, viele leere, unbewohnte Häuser mit Zeichen des Krieges vor 30 Jahren.

Gedenkstätte an den Völkermord 1995 in Srebrenica © WELTANSCHAUEN

Wir sind im gastfreundlichen Garten von Familie Suricic zum Kaffee angemeldet – eine Wohltat nach dem Besuch des Memorials und Museums! Frau Sirucic erzählt über die Schwierigkeit des Lebens in einer Stadt wie dieser: Die abends wenig beleuchteten Häuser zeugen von der massiven Abwanderung, kaum soziales Leben im Sinne von Vereinstätigkeiten, künstlerischen Darbietungen o.ä. Wir sind bewegt von den Erzählungen, wie sich die Familie bewusst für ein Leben in Srebrenica entschieden hat: „Es können ja nicht alle weggehen oder nicht wiederkommen …“

Die Fahrt nach Ekometa führt uns über kleine Straßen im waldigen Nordosten Bosniens, nahe der serbischen Grenze, bergauf und bergab. Schon lange nicht habe ich so viele Wälder wie hier gesehen – irgendwie beruhigend für unseren bedrängten Planeten Erde.

Endlich an richtiger Stelle angekommen holen uns Christian und Karin von den Naturfreunden Italien ab. „Unser“ Bus und Guide der letzten 5 Tage (Wanderungen in den Bergen rund um die bosnische Hauptstadt Sarajevo) hat uns in der Pampa ausgesetzt, jetzt sind wir auf uns gestellt. Der Fußweg führt uns 10 min hinunter an einen zauberhaften Ort – Ekometa, erdacht und aufgebaut von Irvin Mujcic.

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Tourist*innen in Ekometa © WELTANSCHAUEN

An einem wunderbaren Platz inmitten bosnischer Wälder, mit einer Quelle und einem Bächlein stehen fünf kleine Holzhäuschen verstreut auf der Wiese. Es ist ein wenig wie in einem Kinderbuch von Mira Lobe, als mitten im Wald eine Lichtung mit neuen Abenteuern auftaucht.
Und so ist es auch. Irvin begrüßt und bewirtet uns mit herzlicher Leidenschaft, feinem Humor und toller Kulinarik. Zuerst werden wir mit den Gegebenheiten des Platzes vertraut gemacht, um die Regeln für das Zusammenleben in Einfachheit zu kennen. Die folgenden zwei Tage verbringen wir mit Wanderungen in nächster Umgebung. Wir bewegen uns auf den Wegen und Straßen der Bevölkerung von einst und jetzt. Keine Markierungen, keine Schilder, mitten durch das große Gelände des Bauxit-Abbaus, auf Forststraßen, durchs Dickicht, dem Fluss entlang. Das Ziel des ersten Tages ist der Blick auf die Drina-Schlucht. Ein spektakulärer Platz, 1000 Höhenmeter am steilen Uferberghang, mit Blick auf die verschlungene Drina inmitten von bewaldeten Hängen.

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Blick auf die Drina-Schlucht © WELTANSCHAUEN

Dieses unwegsame Gelände war Flucht- und Versorgungsroute in den Jugoslawien-Kriegen: Die Bevölkerung Srebrenicas konnte sich so von Zepa (eine weitere der drei Rückzugsgebiete für die muslimische Bevölkerung) u.a. mit Getreide versorgen. Die Wanderung des zweiten Tages bringt uns zu Sabina und Emin, ein ungleiches Paar in einem großen Bauernhaus mit sichtlich viel zu tun. Emin ist so etwas wie die graue Eminenz: 20 Jahre älter als Sabina, gezeichnet vom Leben in der Mine in Deutschland, gebrochen vom Krieg. Im zeitgleich zu unserem Besuch stattfindenden Sarajevo Film Festival wurde einen Tag zuvor ein Film über Emin und sein zurückgezogenes Leben hier am Hof gezeigt. Stolz haben wir die Filmzeitschrift gezeigt gekriegt. Sabina bewirtet uns vorzüglich mit den Zutaten des Hofes – Kartoffeln, Kraut, Käse, Paprika verkocht zu Pita und Suppe, Auflauf und Salat. Auf den vielen Bildern sind die Töchter von Sabina und Emin auf den eigenen Pferden inmitten scheinbar unberührter Natur zu sehen.

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Wandern mit lokalem Guide © WELTANSCHAUEN


Die Wege zu unseren Zielen sind die Alltagswege der Menschen heute – und es waren die Fluchtwege damals. Dementsprechend sind sie wandertechnisch teilweise wenig ansprechend für uns De-Lux-Alpinismus-verwöhnten Menschen aus Österreich (Forst-/Straßen-Hatscher, mitten durch Bauxit-Abbau-Werk). Die Idee aber, hier das Projekt von Irvin zu unterstützen, hat uns das letztlich vergessen lassen. Auch werden wir durch spontane Gastfreundschaft und nahem Dran-Sein am Alltagsleben der Menschen in dieser Gegend bereichert. Wir sehen sich selbst überlassene Natur, subsistenzwirtschaftlich geführte Bauernhäuser, ja sogar einen großen Kohlemeiler auf unserem Weg. Von Tourismus ist weit und breit keine Spur.

Nach knapp drei Tagen in enger Verbindung mit der Natur und der Geschichte dieser Gegend werden wir von unserem Bus wieder in die Zivilisation zurückgeholt. Wir sind voller Eindrücke, die Irvins Vision von Ekometa bei uns hinterlassen.

Der Name EKOMETA beinhaltet vieles, unter anderem: Ökologie, Komet und Meta (Ebene). So zogen wir vorbei, tauchten in andere Ebenen ein und kamen in Verbindung mit der Natur. Srebrenica und Ekometa war ein schöner Teil unserer insgesamt etwa 14-tägigen Reise nach Bosnien-Herzegowina mit WELTANSCHAUEN.

Mehr Informationen:

Beitrag über Srebrenica – City of Hope im respect_NFI-Info-Mail

Srebrenica – City of Hope

Facebookseite von Srebrenica – City of Hope

Srebrenica Memorial

Programm der ganzen Reise zum Nachlesen

Website WELTANSCHAUEN