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Europa verantwortungsvoll entdecken: Die Bretagne

© Anna Kodek

von ANNA KODEK

Die Bretagne, im äußersten Nordwesten Frankreichs gelegen, fasziniert mit ihrer rauen Küstenlandschaft, beeindruckenden Klippen und malerischen Leuchttürmen. Diese Region ist in der keltischen Kultur verwurzelt, was sich in ihren Traditionen, der Musik und den mystischen Steinformationen wie Menhiren und Dolmen widerspiegelt.

Unsere Mitarbeiterin Anna Kodek nimmt dich mit auf ihre Reise durch die Bretagne – eine Entdeckungstour, bei der sie besonderen Wert darauf legte, ihren ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten. Ihr Ziel: Menschen und Kultur zu erleben, Einblicke in das Leben vor Ort zu gewinnen und gleichzeitig einen Mehrwert sowohl für sich selbst als auch für die Menschen in der Region zu schaffen.

Reiseroute:
Entlang des legendären Zöllnerpfads im Norden der Bretagne geht es in den äußersten Westen, in das „Finis Terrae“ (Ende der Welt), und danach weiter in den milderen Süden und auf die größte bretonische Insel, die Belle-Île-en-Mer.

Warum hat mich die Bretagne so verzaubert?

Am westlichsten Zipfel von Frankreich ist im Hochsommer bei angenehmen Temperaturen ein Aktivurlaub am Meer inmitten mediterraner Vegetation möglich. Ich liebe es, ausgedehnte Küstenwanderungen zu unternehmen, durch geschichtsträchtige Orte mit Stein- und Fachwerkhäusern zu bummeln und mich kulinarisch verwöhnen zu lassen.

Wandern auf dem Zöllnerpfad

Entlang der gesamten Küstenlinie führt der über 2.000 Kilometer lange „Weg der Zöllner“. Früher spürten hier Zollbeamte Schmuggler und Plünderer auf. Heute wandern auf dem durchgehend ausgezeichnet markierten Wanderweg Menschen aus aller Welt. Der GR 34 wurde 2018 zum beliebtesten Weitwanderweg in Frankreich gewählt und erstreckt sich vom historischen Mont Saint-Michel bis in die pulsierende Großstadt Saint-Nazaire.

Ich persönlich bin acht Tage lang am Zöllnerpfad, entlang der Rosa Granitküste, von Paimpol nach Ploumanac´h gewandert. Dabei gab es neben der reizenden Landschaft jeden Tag viele Wow-Erlebnisse, wie das Zusammenspiel von Ebbe und Flut.

Ebbe bei Paimpol © Anna Kodek

In Paimpol trennt eine 12 Meter hohe Schleuse den Hafen vom Meer, damit die Schiffe bei Ebbe nicht auf dem Trockenen sitzen. Zog sich das Meer für mehrere Kilometer zurück, machten wir entlang der Küste Barfuß-Wattwanderungen, um den sonst unsichtbaren Meeresgrund zu inspizieren.

Barfußwandern im Watt © Anna Kodek

Einzigartig an den Küsten der Bretagne ist die Fußfischerei – „Pêche à Pied“. Der Begriff bezieht sich auf das Sammeln von Schalen- oder Krustentieren bei Ebbe. Alt und Jung sind mit Werkzeugen wie Netz, Haken und Rechen ausgestattet und versuchen ihr Glück. Je nach Art der Küste findet man Venus-, Herz- und Jakobsmuscheln, Austern, Strand- und Napfschnecken, Krabben, Garnelen und Seeohren. Um dem Ökosystem nicht zu schaden, hat die Organisation „Pêche à Pied responsable“ einen Leitfaden für ein umweltschonendes Fußfischen erarbeitet und während des Sommers ist die Fußfischerei nicht überall erlaubt.

Unsere nächsten Wow-Erlebnisse waren mit der Stadt Treguir historischen Ursprungs.
An einer Flussmündung gelegen, wurde die Stadt von einem gallischen Mönch gegründet. Der Stadtkern mit seinen gepflasterten Straßen, Fachwerk- und Steinhäusern lädt zum Verweilen ein.

Treguir © Anna Kodek

Die Kelten besiedelten diesen Landstreifen bereits im 6. Jahrhundert vor Christus. Rund um 460 nach Christus vertrieben die Angeln und Sachsen aus Großbritannien die keltischen Bretonen und christianisierten die Halbinsel in zwei Jahrhunderten. Sie gaben ihr den Namen „Klein Britannien“, welcher im Laufe der Zeit zu „Bretagne“ wurde. Mit ihrer Ankunft wurden sieben Diözesen von Gründungsheiligen gegründet. Treguir ist eine der sieben Gründungsstädte.

Ein letztes Wow-Erlebnis hatten wir mit den fantasieanregenden rosa Granitsteinen in allen Größen und Formen zwischen Perros Guirec und Ploumanac´h. Empfehlenswert ist eine Wanderung im Frühling oder Herbst – am besten macht man einen Spaziergang zu Sonnenaufgang, welcher in der Bretagne dankenswerterweise im September erst gegen 7:30 Uhr ist. Die Belohnung ist eine einzigartige Mischung aus Morgenrot, Meeresrauschen, blühenden Heidekräutern sowie mystischen Felsformationen in Form von Schildkröten, Austern und Co.

Drei charmante Orte im Finistère

Der Name des Départements leitet sich von „Finis Terrae“, dem Ende der Welt, ab. Auch die Römer nannten diesen Streifen so, nachdem sie ganz Gallien bis auf das Dorf von Asterix und Obelix erobert hatten. Die Küste ist wie damals rau und wild, mit vielen geschichtsträchtigen Orten. Drei bretonische Perlen stelle ich im Folgenden kurz und knapp vor.

Locronan

Locronan liegt nördlich von Quimper und wurde von einem irischen Bischof gegründet. Blumengeschmückte Steinhäuser zieren den autofreien Ortskern. Der Hauptplatz und seine umliegenden Straßen sind von Granithäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert gesäumt. Das 800-Seelen-Dorf zählt zu den „Plus Beaux Villages de France“, den schönsten Dörfern Frankreichs, und diente bereits als Kulisse für rund 30 Filme.

Locronan © Anna Kodek

Quimper

Die historische Hauptstadt der Cornouaille (Cornwall) ist, wie Treguir, eine Gründungsstadt der Bretagne. Das Zentrum ist die Place St. Corentin mit der gleichnamigen Kathedrale, dem Rathaus und unzähligen Museen. Nicht umsonst trägt die Stadt den Beinamen „Ville d’Art et d’Histoire“, Stadt der Kunst und Geschichte. Die Straßen rund um die Altstadt laden mit prächtigen alten Fachwerkhäusern aus dem Mittelalter zum Flanieren ein. Die Brücke über den Fluss Odet ist mit Blumen in allen Farben geschmückt.

Quimper © Anna Kodek

Pont-Aven

In Pont-Aven, östlich von Quimper, schuf Paul Gauguin seine berühmtesten Werke. Der Fluss, die Mühlen sowie die Steinhäuser und der umliegende „Liebeswald“ wirken in der Tat sehr romantisch. Noch heute hält eine Vielzahl von Galerien den künstlerischen Geist von einst aufrecht.

Um in die Welt des Impressionisten einzutauchen, hat der Tourismusverband heute überall dort Infotafeln aufgestellt, wo Gauguin seine Staffelei aufbaute. Das Musée des Beaux-Arts de Pont-Aven umfasst außerdem eine umfangreiche Sammlung an Werken der „Schule von Pont-Aven“. Sie wurde von einer Gruppe französischer Maler am Ende des 19. Jahrhunderts gegründet.

Pont-Aven © Anna Kodek

Kulinarisch unterwegs in der Bretagne

Frankreich ist berühmt für seine Küche. Wie populär beispielsweise Crêperien in der Bretagne sind, zeigt sich in Quimper: An einem einzigen Platz zählte ich sechs Lokale, die mit einer großen Auswahl an Crêpes und Galettes lockten.

Der Unterschied zwischen diesen beiden „Palatschinken“ ist der Teig. Eine Galette wird aus Buchweizen hergestellt und wird würzig, beispielsweise mit Schinken, Käse und Ei, aber auch mit Spinat, Räucherlachs, Champignons etc. belegt. Die Grundzutat einer Crêpe ist Weizenmehl, sie wird süß belegt. Das Label „Crêperies Gourmandes“ zeichnet die Feinschmecker-Crêperien aus, welche lokale und hochwertige Produkte bevorzugen und über jahrzehntelanges Know-how verfügen.

Galette © Anna Kodek

Märkte haben ebenso einen besonders großen Stellenwert in der Bretagne. Jedes noch so kleine Dorf hat einen Markttag pro Woche, größere täglich. Märkte gibt es am Tag und auch am Abend, in eigenen Hallen oder im Freien. Die Tourismusämter der jeweiligen Region listen die Markttage auf ihren Webseiten auf – Märkte sind eine ideale Gelegenheit, um regional zu konsumieren und mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu kommen.

Im Vergleich zu Meeresfrüchten, die man in jedem Restaurant findet, sind Algen ein Superfood. An den Küsten der Bretagne wachsen die Algen besonders gut. Von den fast 800 vorkommenden Algenarten sind rund zehn essbare Arten zum Verkauf zugelassen. Algen finden sich auch in Teemischungen oder im Bier.  


Vannes und der Golf von Morbhian

Die Hauptstadt des Départements Morbihan glänzt mit einer gut erhaltenen Stadtmauer, die auf der Ostseite entlang eines Baches führt und mit einer Parkanlage zum Entspannen einlädt. Rund 170 Fachwerkhäuser und die im gotischen Stil erbaute Kirche Saint-Pierre prägen den Altstadtkern.

Vannes © Anna Kodek

Ebenso wie Quimper zählt Vannes zu den „Villes d´Art et d´Histoire“ und sie ist auch eine Gründungsstadt der Bretagne. Vannes war eine der bedeutendsten Städte im Mittelalter und liegt malerisch am Golf von Morbihan mit mehr als 40 Inseln. Der Hafen von Vannes ist ein idealer Ausgangspunkt, um diese zu erkunden. 

Im Süden trennt die Halbinsel Rhuys das 12.000 Hektar große Binnenmeer vom Atlantik. Im Golf ist das Wasser um ca. zwei Grad wärmer als an den Stränden des Atlantiks. Viele Inseln im Golf von Morbihan befinden sich im Privatbesitz. Die beiden größeren Inseln Île-aux-Moines und die Île d’Arz sind öffentlich zugänglich und idealerweise per Fahrrad oder zu Fuß zu erkunden.

Auf der Île de Gavrinis reist man in prähistorische Zeiten. Die Grabstätte erreicht eine Höhe von acht Metern und hat einen Durchmesser von über 50 Meter. Dadurch zählt sie zu den höchsten Erhebungen im Golf von Morbihan.

Belle-Île-en-Mer

Die „Schöne Insel“ ist ein einzigartiges Mosaik aus kleinen Dörfern, wilden Küsten und karibisch anmutenden Stränden. Kleine Hotels, gute Restaurants und lokale Märkte sorgen für ein Wohlfühlambiente. Das gut ausgebaute Bussystem bringt die Besucher*innen in viele Ecken der 87 km² großen Insel.

Vier größere Orte prägen Belle Île: Die bunten Hafenstädte Le Palais und Sauzon an der Ostküste sowie Locmaria im Süden und Bangor im Westen. Die gesamte Insel ist mit dem ausgezeichnet amrkierten Weitwanderweg GR340 (Tour de Belle-Île) gut erschlossen.

Hafen von Le Palais © Anna Kodek

Ganz im Norden, an der Pointe de Poulains, dominiert ein Leuchtturm das Landschaftsbild sowie eine kleine stillgelegte Militärfestung, die von der französischen Schauspielerin Sarah Bernhardt im 19. Jahrhundert erworben wurde.

Im Norden der Belle-Île-en Mer © Anna Kodek

Die Westküste wird von einer Heidelandschaft geprägt und ist weitgehend unverbaut. Hohe Klippen wechseln sich immer wieder mit kleinen Buchten ab.

In drei Tagen sind wir die gesamte Westküste entlanggewandert und haben zwischendurch immer wieder Badestopps eingelegt. Dabei hat uns der Bus in der Früh an einem Ort „ausgespuckt“ und 12 bis 17 Kilometer später am späten Nachmittag wieder eingesammelt. Da es keine nennenswerte Infrastruktur gibt, haben wir uns jeden Morgen nach dem Frühstück am Markt in Le Palais mit Proviant eingedeckt und sind am Abend in verschiedenste Restaurants essen gegangen.

Die Westküste von Belle-Île-en-Mer © Anna Kodek

Mit dem Strand „Les Grands Sables“ gibt es auch einen knapp zwei Kilometer langen Sandstrand. Dieser befindet sich an der vegetationsreichen Ostküste.

Klimaschonend in und durch die Bretagne reisen

Mit dem Nachtzug geht es bequem nach Paris „Gare de l´Est“ – ab Wien mehrmals die Woche. Alternativ gibt es einen Tageszug ab München.

Die Züge weiter Richtung Bretagne fahren von Paris-Montparnasse ab – dieser ist vom Gare de l´Est mit der U-Bahn Linie 4 ohne Umsteigen zu erreichen.

Frankreich hat ein sehr gut ausgebautes TGV-Netz. Die Reisezeit von Paris nach Rennes beträgt ca. 1,5 Stunden, in weiteren zwei Stunden erreicht man Brest. Ebenfalls ab Paris direkt erreichbar sind St. Malo, St. Brieuc, Guingamp im Norden und im Süden beispielsweise Vannes, Lorient und Quimper. Von den großen Städten gibt es Regionalzüge zu kleineren Orten sowie ein gut ausgebautes Busnetz.
Die Apps Korrigo und BreizhGo sind die idealen Routenplaner, die alle öffentlichen Verkehrsmittel auflisten.

TGV © Anna Kodek
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